TGA-Magazin 2020 JAN 01

Autor:
Christian Bremer

Konservation und/oder behagliches Klima für Museumsbesucher

Sehr geehrte Leser,

Museen haben die Aufgabe, Schätze der Menschheit und der Kunst zu bewahren. Ohne Museen wären unzählige Kostbarkeiten längst verfallen, zerstört oder beschädigt. Allerdings gibt es bei den Arten von Museen große Unterschiede.

Nahezu jede Stadt dokumentiert in einem meist kleineren Museum ihre Historie. Auf der anderen Seite stehen riesige Museen wie der Louvre in Paris, das Metropolitan Museum of Arts in New York und das British Museum in London, die jährlich von fünf bis zehn Millionen Gästen besucht werden.

Die unzähligen hier ausgestellten, oft einzigartigen und unersetzlichen Exponate, haben Werte von vielen Milliarden Euro und müssen daher dauerhaft vor jeglichen möglichen Beschädigungen, besonders auch vor Umwelteinflüssen, geschützt werden. Verschiedene Arten von Ausstellungsstücken, die in vielen Museen gleichzeitig – oft aber in verschiedenen Räumen – den Besuchern präsentiert werden, benötigen aufgrund ihrer Materialien für einen dauerhaften Schutz rund um die Uhr ein eigenes, spezielles Klima mit entsprechenden Temperaturen und Luftfeuchten.

Dabei spielt das Beherrschen von oft starken Lasten durch Museumsbesucher, die Wärme, Feuchtigkeit sowie Partikel und Schadstoffe an die Raumluft abgeben, eine besondere Rolle.


Wann muss in Museen die Luft be- oder entfeuchtet werden?

In vielen Museen wird recht pauschal eine seit vielen Jahren bewährte Regel umgesetzt: Für die meisten Exponate liegt im Jahresgang eine Raumtemperatur von etwa 21 bis 24 °C und eine Raumluftfeuchte im Bereich von 50 bis 60 % nahe am konservatorischen Optimum. Diese Bedingungen sind dann rund um die Uhr das gesamte Jahr über, auch unabhängig von den Besuchszeiten, einzuhalten. Doch welche klimatechnischen Maßnahmen sind nötig, um diese Sollwerte zu gewährleisten?


Die Raumluftsituation im Sommer

Im Sommer gibt es mittlerweile immer häufiger lang anhaltende Außenluftzustände mit Temperaturen weit über 32 °C und Feuchten von mehr als 40 %.

Diese Außenluft muss in Abhängigkeit von den in den Planungen angesetzten thermischen Lasten in der Klimaanlage des Museums auf eine festgelegte Zulufttemperatur von beispielsweise 20 °C heruntergekühlt und gleichzeitig auch entfeuchtet werden, um die Vorgaben in den Räumen einzuhalten.

Um die Außenluft (32 °C, 11,9 g/kg absolute Feuchte) auf den Soll-Zuluftzustand von 20 °C und 8 g/kg Feuchte zu konditionieren, muss diese nach der Entfeuchtung in der Klimaanlage und der dabei erfolgten Abkühlung auf rund 15 °C nacherwärmt werden.


Die Raumluftsituation im Winter

Gegenüber dem Sommer, ist die Außenluft in den Wintermonaten sowohl kühl als auch sehr trocken. Wenn zum Beispiel die Außenluft mit einer Temperatur von 0 °C und einer Absolutfeuchte von 2 g/kg in der Klimaanlage auf eine Zuluft- tempe-ratur von 22 °C erwärmt wird, sinkt die relative Feuchte auf 12 %.

Eine solche Zuluft wäre viel zu trocken und würde fast zwangsläufig zu Schäden an den Exponaten führen. Daher muss die Luft in der Klimaanlage gezielt befeuchtet werden, um in den Räumen des Museums die geforderte Mindestfeuchte für die Exponate sicherzustellen.

Diese Befeuchtung kann durch die Zugabe von Wasser oder Wasserdampf erfolgen. Ein Beispiel für die Konditionierung der Außenluft mit einer adiabaten Befeuchtung durch die Zugabe von Wasser auf eine relative Zuluftfeuchte von 55 % (x = 12,3 g/kg).

Um Außenluft (0 °C, 2 g/kg) auf den Zuluftzustand (22 °C, 55 % r. F.) befeuchten zu können, muss diese zunächst auf etwa 40 °C erwärmt werden. Durch den adiabaten Befeuchtungsprozess auf 9,1 g/kg, kühlt die Luft auf die gewünschte Zuluft- temperatur von 22 °C bei 55 % r.F. ab.


Um diese Herausforderungen zu bewältigen und einzuhalten, werden heute in den meisten Museen aufwendige Klimaanlagen betrieben, oft sogar mehrere für verschiedene Anforderungen in verschiedenen Bereichen. Denn nur durch den Betrieb dieser Anlagen ist es dauerhaft möglich, sowohl den konservatorischen Anforderungen zum Schutz der Kunstwerke zu genügen als auch ein für die Besucher behagliches, angenehmes Umfeld und eine gute Luftqualität zu sichern. Um solche Klimaanlagen, und besonders den dabei sehr wichtigen Aspekt der Feuchtekontrolle in der Museumsluft, geht es in dieser Broschüre. Je empfindlicher und bedeutsamer das Exponat, desto wichtiger ist dessen Schutz durch die Klimatechnik.

Zur richtigen Luftfeuchte in Museen und besonders den dabei wichtigen Aspekt der Feuchtekontrolle gibt es von Condair auch einen Planungsleitfaden, den sie über nachfolgende Link kostenfrei bestellen können.

Mit freundlichen Grüßen

Christian Bremer
Geschäftsführer Condair GmbH

Fachbroschüre Luftfeuchte in Museen

ISBN-Nummer: 9783981761832
Erschienen: 01.09.2019
Seiten: 24
Preis: 12,95 Euro

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